Anhand des ersten Jahrgangs der Kehre wird deutlich, welche theoretische Einsicht die grobe weltanschauliche Linie unserer Zeitschrift bestimmt und welches Selbstverständnis sich daraus ableitet: Die Industrie- und Konsumgesellschaften westlicher Provenienz sind für die Umweltkrise exorbitanten Ausmaßes, mit der wir uns konfrontiert sehen, vollumfänglich verantwortlich zu machen. Mehr noch, sie werden aufgrund der sie konstituierenden politischen, soziologischen und ökonomischen Grundprinzipien niemals dazu in der Lage sein, in ein nachhaltiges Austauschverhältnis mit der Natur zu treten, egal wie sehr man darum bemüht ist, dieses über technologische, »grüne« Innovation zu erreichen.

Ohne den Raubbau an den natürlichen Ressourcen, ohne den permanenten ecological overshoot (die »ökologische Übernutzung«) brächen sie unweigerlich zusammen. Denn die Industrie- und Konsumgesellschaften wurden aus dem Leben über die Verhältnisse geboren, und sollten die Quellen, die dieses Leben speisen, versiegen oder verschlossen werden, fehlt der Treibstoff, der die industrielle Maschinerie am Laufen hält. Und so werden sie weiter ihren Hunger stillen, bis auch der letzte Tropfen Schieferöl aus Tongestein »gefrackt« und der letzte Fisch aus dem Ozean gefangen wurde – da ist es vollkommen unerheblich, welche ökologischen Absichtserklärungen abgegeben oder welche Green Deals geschlossen werden.

Diese Erkenntnis beraubt jeglicher Illusionen, in ihrer Grundsätzlichkeit, ihrer Radikalität, bewahrt sie jedoch auch vor verlockendem Selbstbetrug – sie zwingt die Systemfrage förmlich auf. Zugleich erschwert sie die Suche nach dem adäquaten politischen Mittel, um den Zustand dauerhafter Übernutzung zu beenden. Soll man angesichts der Übermacht des industriell-kapitalistischen Komplexes und seiner Monokulturalisierung von Natur und Mensch resignierend auf den ökologischen Kollaps warten? Soll man so weitreichend wie möglich aus dem System aussteigen und nach alternativen, traditionellen Prinzipien leben oder greift man zum ultimativen Mittel und attackiert das System und seine relevanten Protagonisten mit Gewalt? Gibt es denn überhaupt eine Möglichkeit, den alles verschlingenden Leviathan aufzuhalten?

Manche Öko-Aktivisten haben die hier aufgeworfenen Fragen für sich beantwortet und das ultimative Mittel als Reaktion gewählt: Gewalt. In der fünften Ausgabe der Kehre werfen wir ein Schlaglicht auf diejenigen, die sich nicht mit dem Ringen »um Ergänzungen oder Modifikationen, erst recht nicht um (…) Variante[n]« zufrieden geben, sondern sich mindestens an Bäume ketten oder im Zweifelsfall sogar nicht davor zurückschrecken, Paketbomben zu verschicken, um ihren radikalen Gegenentwurf durchzusetzen: »Die dominierende Kultur – Zivilisation – tötet den Planeten und es ist längst überfällig, daß diejenigen, denen das Leben auf der Erde etwas bedeutet, die Initiative ergreifen, um diese Kultur davon abzuhalten, jedes lebende Wesen zu zerstören«, so greift der hier interviewte US-amerikanische Öko-Anarchist und Autor Derrick Jensen in Deep Green Resistance die Notwendigkeit zur Tat.

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