Öko-Fundgrube (4) – Lithium, Insekten, Gates

Kaum ein Stoff steht so sinnbildlich für das letzte Jahrzehnt wie Lithium. Als Lithium-Ionen-Akkus treffen wir in jedem Bereich des Lebens darauf, ob im Smartphone, dem Notebook oder seit neustem in etlichen E-Fortbewegungsmitteln. Und die Nachfrage steigt. Gut das weiterhin Entwicklungspotential besteht, wie die Plattform golem veröffentlichte.

Aktuell besitzen die Akkus einen Wirkungsgrad von unter 30 Prozent, Verbesserungen sind also gern gesehen. Was bei all den »sauberen und nachhaltigen« Lithium-Ionen-Produkten außer Acht gelassen wird, sind die katastrophalen Folgen, die der Abbau und die Aufbereitung zur Folge haben – ein Punkt der hierzulande gerne ausgeblendet wird. Schließlich ist man davon selbst nicht betroffen. Im ersten Heft der Kehre (hier bestellen) hat Hagen Eichberger einen interessanten Artikel zur E-Mobilität verfaßt und auch Kehre-Chefredakteur Jonas Schick setzte sich bereits mit der »Mogelpackung Elektroauto« in der Sezession auseinander.

Glücklicherweise wurden in Norwegen Vorkommen von Phosphat, Titan und Vanadium entdeckt. Die Phosphatreserven könnten sogar die bisher größten Vorkommen in Marokko übersteigen – ein Segen für die industrialisierte Landwirtschaft. Vanadium hingegen könnte Lithium-Ionen-Akkus demnächst ablösen, denn »Vanadium-Akkus sind den verbreiteten Lithium-Ionen-Akkus weit überlegen: Sie lassen sich schneller und zehnmal häufiger auf- und entladen, ohne an Leistung zu verlieren, und sind außerdem recyclingfähiger«.


Das Insektensterben ist ein Problem das meist mit der modernen Landwirtschaft in Verbindung gebracht wird und auch öffentlich breite Beachtung genießt.  Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte nun einen Artikel, der sich diesem Thema widmet. Die Wissenschaftler Peter Hamilton Raven und David Wagner werden darin wie folgt zitiert:

Ein starker Rückgang der Insekten ist nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs offensichtlich geworden (…) Wir gehen davon aus, dass die Ausbreitung und Intensivierung der Landwirtschaft direkt mit dem Schwund zusammenhängt.

Diese Feststellung verwundert angesichts von Flurbereinigungsmaßnahmen, eines steigenden Dügenmitteleinsatzes und Monokulturen für Bioenergien nicht. Doch Insekten und andere Tierarten, die durch ihr Fehlen in Nahrungsketten ebenfalls bedroht sind, lassen sich nun einmal nicht im Bruttosozialprodukt erfassen: Das verwertende Denken als Grundübel unserer Zeit.

In den letzten Jahren gab es vermehrt Diskussionen, die sich Insekten als Nahrungsmittel zuwandten. Nicht nur für Menschen, vor allem in der Tierhaltung werden große Möglichkeiten gesehen, bisherige Eiweißfuttermittel wie Sojaprodukte oder Ölkuchen durch Insektenlarven zu ersetzen. Auch hier gibt es zwei Wege, mit ihren jeweiligen ökologischen Problemen.

1. Soll weiterhin vorrangig genverändertes Soja aus Südamerika mit allen Folgen des Anbaus importiert werden oder

2. ein Großteil der Mengen durch heimisch produzierte Insekten ersetzt werden?

Wir sehen, einfache Entscheidungen gibt es nicht.


»Old MacDonald had a farm« ist ein Kinderlied, in dem die verschiedenen Tierarten auf der Farm spielerisch vorgestellt werden. Doch weder ist dies noch mit dem Zustand der US-Landwirtschaft aktuell zu vergleichen, noch ist es der alte MacDonald, der den Acker bestellt. Denn mit annähernd 100.000 Hektar Ackerland ist Microsoft-Gründer Bill Gates der größte Grundbesitzer in den Vereinigten Staaten.

Schon seit jeher ist Ackerland Spekulationsobjekt von Personen, die ihre Reichtümer anderweitig erworben und mit der Landwirtschaft nichts am Hut haben. Bill Gates ist ebenfalls durch seine Stiftungstätigkeit bekannt. Während er es Farmern in den USA unmöglich macht, Ackerland zu erwerben, zeigt er sich in anderen Teilen der Welt als Philanthrop. So gründeten die Gates- und die Rockefeller-Stiftung im Jahr 2006 die »Alliance for a Green Revolution in Africa« (AGRA), die sich zum Ziel setzte, den Hunger in Afrika mittels moderner Landwirtschaft zu besiegen.

Doch gut gemeint ist lange noch nicht gut gemacht. Eine bereits im letzten Sommer veröffentlichte Studie (Artikel hier) zeigte nämlich, daß die afrikanischen Kleinbauern von subventioniertem Saatgut, Düngemitteln und chemischen Mitteln wenig profitierten. Einheimische, über Jahrhunderte an die Standortbedingungen angepaßte Kulturpflanzen wurden durch moderne, in Laboren gezüchtete Pflanzen ersetzt. Weder konnte der Hunger gelindert werden, noch bringt die wirtschaftliche Abhängigkeit den Kleinbauernstrukturen vor Ort etwas.

Bereits in den 80er Jahren stellte der Agrarwissenschaftler Hermann Priebe fest, daß dieser Weg für die Landbevölkerung der Dritten Welt fatal ist. Denn anstatt sich aus sich selbst heraus zu entwickeln, wie es die europäische Landwirtschaft tat, soll sie innerhalb von Jahrzehnten nach vorn katapultiert werden, inklusive der Folgen, die wir schon jetzt sehen. Auch in afrikanischen Staaten geben immer mehr Bauern ihre Existenzen auf, flüchten in die Slums der Großstädte auf der Suche nach Arbeit. Nicht wenige ziehen auch von dort weiter nach Norden, nach Europa. 

Die Migrationsthematik wird auch im aktuellen Heft der Kehre (hier bestellen) näher beleuchtet. Mit »Mehr Licht – Afrikas Weg nach Europa« (hier als Online-Version) findet sich ein interessanter afrikaspezifischer Artikel in der ersten Ausgabe des österreichischen Freilich-Magazins aus der Feder Carl von Waldsteins.

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