Von der ökologischen Relevanz des Ortes

Migration – kaum ein Phänomen wird im insbesondere von den Grünen geprägten ökologischen Diskurs in der Bundesrepublik derart ausgespart wie die ökologischen Auswirkungen allgemein angestiegener Mobilität und Massenmigration. Dabei wäre besonders angesichts ihrer extremsten Erscheinungsformen in den letzten Jahren ein genauer Blick auf die umweltbezogenen Auswirkungen des neuen nomadischen Daseins im 21. Jahrhundert durchaus notwendig.

Zu betrachten sind Mobilität und Massenmigration in ihrer Mikroausprägung als ständiger Wohnortwechsel innerhalb Deutschlands wie auch in ihrer Makroausprägung als Wanderungsbewegung rund um den Globus. Das beginnt bei der IKEAisierung der Einrichtungen, die im Vergleich zu schweren und teuren Möbelstücken einfacher zu transportieren und zu ersetzen sind, und endet bei der Anhebung des Konsumniveaus der Millionen »Flüchtlinge«, die seit dem Sommer 2015 nach Europa strömten, wodurch sich ihr ökologischer Fußabdruck erheblich vergrößerte.

Wie sich in diesem Zusammenhang die von linker Seite oft geäußerte Forderung nach einem Verzicht der Deutschen auf Nachwuchs, um die Gesamtbevölkerungszahl in Deutschland für das Erreichen einer ökologischen Tragfähigkeit zu mindern, und eine zeitgleich befürwortete Masseneinwanderung miteinander vertragen, wissen wahrscheinlich nur die Grünen. Dieser eklatante Widerspruch entspringt aber wohl eher ihrem neurotischen Selbsthaß als stringenten ökologischen Überlegungen.

Denn so richtig das Anliegen einer Schrumpfung der Bevölkerungszahl – sowohl für die Industriegesellschaften als auch für den Rest der Welt – aus ökologischer Perspektive ist, so falsch ist die Mobilisierung und Herauslösung der Individuen aus ihrer regionalen Bindung und Beheimatung. Neben der Einleitung von Postwachstumsprozessen (Rückbau von Infrastruktur, geringerer Rohstoffverbrauch etc.) stellt die Minimierung regionaler und globaler Migration einen wesentlichen Baustein dar, der zu einer ökologischeren Lebensweise führen wird.

Dabei geht es jedoch nicht nur darum, den damit verbundenen Ressourcenverbrauch zu verringern, sondern dem Prozeß, der zu einer »von den großen kapitalistischen Zentren beherrschten Welteinheitszivilisation führt, die wurzellose, heimatlose und in letzter Konsequenz nicht mehr verantwortungsfähige Menschen ›erzeugt‹« (Gugenberger/Schweidlenka 1995), einen Riegel vorzuschieben. Denn der daraus hervorgehende Mensch hat jede Verbindung zum Heimatboden verloren.

Wer heute zwischen den globalen Stadtzentren hin und her »jettet«, dessen Vorstellung vom Austausch des Menschen mit seiner Natur bleibt abstrakt und verkümmert. Wenn die ökologischen Auswirkungen des eigenen Lebensstils und Wirtschaftens nicht mehr unmittelbar erfahren werden, kann kein verantwortungsbewußter Umgang mit der Umwelt entstehen. Derjenige, der an einem Ort Wurzeln geschlagen hat, wird im Gegensatz zum ständigen Wanderer diesen auch zu pflegen suchen.

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