Nachhaltigkeit als konservatives Prinzip–Interview mit Dr. Alexander Gauland (AfD)

Die Frage nach der Bewältigung der Umweltkrise ist omnipräsent. Keine Partei in Deutschland kann diese Thematik ignorieren und jede versucht sie auf ihre Art und Weise in das eigene Parteiprogramm zu integrieren. Derweil blieb die Alternative für Deutschland in Umweltfragen bisher eher blaß. Eine der fundiertesten ökologischen Wortmeldungen aus ihren Reihen kommt indes vom AfD-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag Dr. Alexander Gauland, der in seinem Aufsatz »Nachhaltigkeit als konservatives Prinzip« eine konservative Position zur Ökologie formuliert. Wir haben mit ihm in Berlin über den Begriff der »Nachhaltigkeit« und die Suche nach einer »konservativen Ökologie« gesprochen.


Herr Gauland, Sie haben unlängst im Verlag Antaios einen kaplaken-Band mit dem Titel Nation, Populismus, Nachhaltigkeit veröffentlicht, wobei Sie im darin enthaltenen Aufsatz »Nachhaltigkeit« einer konservativen Ökologie das Wort reden. Was bedeutet für Sie der mittlerweile inflationär gebrauchte Begriff der »Nachhaltigkeit«?

Nicht mehr als das, was er im Wortsinn ausdrückt. Wenn man die inflationäre Verwendung, die Sie zu Recht anführen, ausklammert, dann bedeutet er, daß eine Entscheidung, die man trifft, nicht am nächsten Tag schon wieder revidiert werden muß, also, daß alle politischen Entscheidungen länger halten sollten als ein oder zwei Tage. Das können Sie auch auf private Entscheidungen übertragen: Wie die politischen müssen diese zwei Tage später noch Gültigkeit haben. Sie wollen ja Ihre Entscheidungen nicht ununterbrochen revidieren müssen. Das bedeutet »Nachhaltigkeit« für mich. Daher kann ich mit der aktuellen Verwendung des Begriffs nur wenig anfangen.

Nichtsdestotrotz und nicht ohne Grund ist dieser Begriff ja ökologisch aufgeladen. Seinen Ursprung hat er in der Forstwirtschaft, genauer wurde er im ersten Grundlagenwerk über die Forstwirtschaft (1713) vom sächsischen Kameralisten und Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz geprägt und besagt im Kern, daß man nur so viel an Holz aus einem Wald bzw. Forst entnehmen darf, wie auch wieder nachwächst. Würden Sie sagen, daß diese ökologische
Form der »Nachhaltigkeit«, um die es da geht, an sich ein konservatives Prinzip ist?

Sicherlich, das ist in der Forstwirtschaft – wie auch im allgemeinen Sprachgebrauch – ein konservativer Begriff. Er wird aber längst nicht mehr so gebraucht, weil er für alles mögliche verwendet wird. Deswegen ist es schwer, daran die Etiketten »links« oder »konservativ« festzumachen. Inzwischen benutzt jeder diesen Begriff, er ist zur Leerformel verkommen.

Dennoch geht man mit der »Nachhaltigkeit« in der Politik und Ökonomie hausieren und möchte sie an etlichen Punkten umgesetzt sehen. Dabei wird insbesondere auf die internationale Ebene abgezielt. Wenn wir den Begriff unter diesen Gesichtspunkten doch einmal ökologisch aufladen, kann das darin enthaltene Prinzip als regionale bzw. nationale Aufgabe zur Geltung gebracht werden oder verspricht die internationale Herangehensweise den größeren Erfolg?

Das eine schließt das andere nicht aus. Natürlich ist es auch in dieser Frage der Nationalstaat, der handlungsfähig ist. Und wenn wir über die Waldwirtschaft reden, dann ist es eindeutig, daß dafür eine nationale Politik gebraucht wird. Und wenn wir über die Waldwirtschaft reden, dann ist es eindeutig, daß dafür eine nationale Politik gebraucht wird. Aber natürlich, Klimaveränderung und Insektensterben machen an Grenzen nicht halt. Das heißt, es braucht logischerweise internationale Abkommen. Das schließt den Nationalstaat als eigentlichen Handlungsmotor jedoch nicht aus. Er ist derjenige, der das Zepter des Handelns in der Hand hält. Je nach seiner Verfaßtheit regionalisiert er diese Exekutivgewalt weiter. Ich bin der Ansicht, daß wir in Deutschland mit dem Föderalismus ein gutes System haben, ein konservatives Prinzip, das in dieser Frage weiterführender ist als der reine Zentralstaat.

Sie kommen in Ihrem Aufsatz »Nachhaltigkeit« außerdem zu dem Schluß, daß Umweltschutz
konservativ und Klimaschutz links sei. Was bewegt Sie dazu, diese Unterscheidung vorzunehmen?

Das ist natürlich eine zugespitzte Aussage von mir. Der Umweltschutz blickt auf eine lange Geschichte zurück – hervorgerufen durch die Industrialisierung, die bestimmte Lebensformen zum Schlechteren veränderte. Viele Leute beobachteten seit Beginn der Industrialisierung die von ihr hervorgerufenen Umweltschäden mit großer Skepsis und Unbehagen. Daher haben alle Regierungen und politischen Richtungen diese Problematik in ihre Programme aufgenommen. Es ist der Versuch, die alte Umwelt so weit wie möglich als Heimat und Identitätsstifter für den Menschen zu erhalten…



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